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Sprunggelenkchirurgie · Wien & Tulln

Osteochondrosis dissecans

Ein Knorpel-Knochen-Fragment löst sich vom Sprungbein – Diagnose und Therapie hängen entscheidend von Stabilität und Patientenalter ab.

Medizinische Information · Stand: Juli 2026 · OA Dr. Georg C. Bézard

Was ist Osteochondrosis dissecans?

Die Osteochondrosis dissecans (OCD) ist eine Erkrankung, bei der sich ein Stück aus Knorpel und Knochen (Fachbegriff: Dissektat) von der Gelenkfläche des Sprungbeins (Fachbegriff: Talus, ein Knochen im Sprunggelenk) ablöst. Die Ursachen sind vielfältig: Eine Rolle spielen wiederholte kleine Verletzungen (Mikrotraumata), eine unzureichende Durchblutung (vaskuläre Insuffizienz) und erbliche Faktoren. Die OCD betrifft vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und tritt am Sprungbein häufiger auf als am Knie.

Die Einteilung erfolgt nach Berndt und Harty (anhand des Röntgenbildes) oder nach einer Einteilung mittels Kernspin-Untersuchung (MRT-Staging): Stabile Veränderungen (Fachbegriff: Läsionen), bei denen die Knorpeldecke unversehrt ist und sich keine Flüssigkeit unter dem gelösten Stück befindet, haben gute Aussichten bei einer Behandlung ohne Operation (konservative Therapie). Instabile Läsionen, bei denen sich Flüssigkeit unter dem Stück befindet und das Stück teilweise oder vollständig gelöst ist, erfordern in der Regel eine Operation.

Auf einen Blick
  • Betrifft vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
  • Stabile Veränderungen bei noch offenen Wachstumsfugen (die Bereiche, in denen der Knochen bei Kindern und Jugendlichen noch wächst): Behandlung ohne Operation mit guten Aussichten
  • Instabile Veränderungen: Behandlung mit Operation (Wiederbefestigung des Stücks oder Ausräumen des geschädigten Gewebes und Anregung der Heilung aus dem Knochenmark)
  • MRT ist die Bildgebung der Wahl für Stabilitätsbeurteilung
  • Frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose erheblich

Symptome und Diagnose

Die OCD verursacht Schmerzen im Sprunggelenk bei Belastung, Schwellung und gelegentlich ein Schnappen oder Blockieren des Gelenks (wenn sich ein loses Stück im Gelenk befindet). Bei Kindern sind die Beschwerden oft unklar und werden zunächst fälschlich als Wachstumsschmerzen gedeutet.

Röntgenaufnahmen zeigen in frühen Stadien oft nur geringe Veränderungen. Die Kernspin-Untersuchung (MRT) ist das Verfahren der Wahl: Damit lässt sich beurteilen, ob die Veränderung stabil ist (Flüssigkeit unter dem Stück ist ein Zeichen für Instabilität), wie es um den Knorpel steht und ob eine Flüssigkeitsansammlung im Knochen (Knochenmarködem) vorliegt. Die Computertomographie (CT) ist besser geeignet, um den Knochen direkt unter dem Knorpel (subchondraler Knochen) genau zu beurteilen und eine Operation zu planen. Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) ermöglicht es, die Veränderung direkt zu betrachten und gleichzeitig zu behandeln.

Behandlung

Die Entscheidung über die Behandlung hängt davon ab, ob die Veränderung stabil ist, wie alt die Patientin oder der Patient ist (offene oder bereits geschlossene Wachstumsfugen) und welche Beschwerden bestehen.

Konservative Therapie

Stabile Veränderungen bei Kindern und Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen heilen bei einer Behandlung ohne Operation häufig von allein: Entlastung für 6–12 Wochen (mit Unterarmgehstützen oder Gips), Sportpause und regelmäßige Kontrollen mittels Kernspin-Untersuchung (MRT). Bei Kindern heilt die Erkrankung unter dieser Behandlung ohne Operation in 50–90 % der Fälle aus. Bei Erwachsenen ist die Wahrscheinlichkeit einer Heilung von allein deutlich geringer.

Operative Therapie

Gründe für eine Operation: instabile Veränderungen, wenn die Behandlung ohne Operation nach 3–6 Monaten nicht erfolgreich war, freie Stücke im Gelenk sowie Beschwerden verursachende Veränderungen bei Erwachsenen. Verfahren:

  • Wiederbefestigung des Stücks (Refixation): Bei großen Stücken mit noch lebendigem Knochen, die sich wieder befestigen lassen – über eine Gelenkspiegelung oder über einen kleinen Schnitt (mini-open) mit Schrauben oder sich selbst auflösenden Stiften. Die besten Aussichten bestehen bei frischen, gut durchbluteten Stücken.
  • Ausräumen des geschädigten Gewebes und Anregung der Heilung aus dem Knochenmark (Mikrofrakturierung/AMIC): Bei Stücken, die sich nicht wieder befestigen lassen und kleiner als 1,5 cm² sind. Gute Ergebnisse auf kurze Sicht.
  • Verpflanzung von Knorpel-Knochen-Gewebe oder Knorpelzelltransplantation (MACI): Bei großen Schäden, wenn die Anregung der Heilung aus dem Knochenmark nicht erfolgreich war.

Zusammenfassende wissenschaftliche Auswertungen mehrerer Studien (Verhagen et al. 2003, Zengerink et al. 2010) zeigen gute Ergebnisse für alle Operationsverfahren, sofern sie richtig ausgewählt werden. Wenn sich ein Stück wieder befestigen lässt, ist die Wiederbefestigung stets vorzuziehen.

Fazit – das Wichtigste für Sie
  • Bei der Osteochondrosis dissecans hat sich ein kleines Knorpel-Knochen-Stück von Ihrem Sprungbein gelöst. Das macht sich durch Schmerzen bei Belastung, Schwellung und manchmal ein Blockieren des Gelenks bemerkbar.
  • Ob eine Behandlung ohne Operation ausreicht, hängt vor allem davon ab, ob das Stück noch fest sitzt und wie alt Sie sind. Bei Kindern und Jugendlichen heilt es oft von allein, wenn das Gelenk für einige Wochen entlastet und geschont wird.
  • Bei gelösten Stücken oder wenn Ruhigstellung nicht hilft, ist meist eine Operation nötig. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
  • Nehmen Sie länger anhaltende Schmerzen im Sprunggelenk ernst und lassen Sie diese ärztlich abklären, am besten mit einer Kernspin-Untersuchung (MRT).
OA Dr. Georg C. Bézard
OA Dr. Georg C. Bézard
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Facharzt für Unfallchirurgie · Wien & Tulln

Literatur & Evidenz

  1. Verhagen RA, Struijs PA, Bossuyt PM, van Dijk CN. Systematic review of treatment strategies for osteochondral defects of the talar dome. Foot Ankle Clin 2003;8:233–242. PMID: 12911239
  2. Zengerink M, Struijs PA, Tol JL, van Dijk CN. Treatment of osteochondral lesions of the talus: a systematic review. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2010;18:238–246. PMID: 19859695
  3. Berndt AL, Harty M. Transchondral fractures (osteochondritis dissecans) of the talus. J Bone Joint Surg Am 1959;41:988–1020. PMID: 13849029
  4. Hannon CP, Smyth NA, Murawski CD, et al. Osteochondral lesions of the talus: aspects of current management. Bone Joint J 2014;96-B:164–171. PMID: 24493178
  5. Laffenêtre O. Osteochondral lesions of the talus: current concept. Orthop Traumatol Surg Res 2010;96:554–566. PMID: 20621561
  6. Ferkel RD, Zanotti RM, Komenda GA, et al. Arthroscopic treatment of chronic osteochondral lesions of the talus: long-term results. Am J Sports Med 2008;36:1750–1762. PMID: 18669981
  7. Choi WJ, Park KK, Kim BS, Lee JW. Osteochondral lesion of the talus: is there a critical defect size for poor outcome? Am J Sports Med 2009;37:1974–1980. PMID: 19633232

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