Mittelhand- & Fingerbrüche
Metakarpale- und Phalangenfrakturen: häufige Verletzungen mit präzisen Therapieprinzipien – Funktion vor Anatomie.
Häufigkeit und Bedeutung
Brüche der Mittelhand und der Finger (Metakarpale- und Phalangenfrakturen, also Brüche der Handknochen zwischen Handgelenk und Fingern sowie der Fingerknochen) sind die häufigsten Knochenbrüche des Arms: Sie machen 10 % aller Knochenbrüche aus. Trotz ihrer scheinbaren Häufigkeit und Einfachheit können sie bei unzureichender Behandlung zu dauerhaften Einschränkungen der Handfunktion führen – Verdrehungen des Fingers (Rotationsfehlstellungen), eingeschränkte Beweglichkeit und Pseudarthrosen (der Bruch heilt nicht zusammen und es bildet sich ein falsches Gelenk) sind gefürchtete Komplikationen.
Typische Verletzungsmuster: Boxer-Fraktur (Bruch des Halses des 5. Mittelhandknochens, meist nach einem Faustschlag), Bennett-Fraktur (Bruch am Daumengrundgelenk, der bis in das Gelenk hineinreicht und bei dem der Knochen zusätzlich aus dem Gelenk gerutscht ist – also mit Verrenkung), Rolando-Fraktur (Y-förmiger Bruch am Daumengrundgelenk, der ebenfalls bis in das Gelenk reicht), sowie Brüche im Schaft (dem mittleren, geraden Teil) der Mittelhand- und Fingerknochen.
- Eine Verdrehung des Fingers (Rotationsfehlstellung) immer ausschließen – und zwar durch die körperliche Untersuchung, nicht nur durch das Röntgenbild
- Boxer-Fraktur: eine Abknickung von bis zu 40° am 5. Mittelhandknochen ist tolerierbar
- Bennett-Fraktur: operative Versorgung Standard
- Brüche, die bis in das Gelenk hineinreichen und bei denen die Gelenkfläche um mehr als 1 mm gegeneinander versetzt ist (Stufenbildung): operative Versorgung
- Frühfunktionelle Nachbehandlung entscheidend für Ergebnis
Diagnose
Die körperliche Untersuchung umfasst das Betrachten (Schwellung, Bluterguss, Fehlstellung), das Abtasten und – entscheidend – die Beurteilung auf eine Verdrehung des Fingers (Rotationsfehlstellung): Wenn die Finger gebeugt werden, müssen alle Fingernägel auf den kleinen Knochenvorsprung des Kahnbeins am Handgelenk (Kahnbeintuberositas) zeigen. Eine Verdrehung von 5° führt dazu, dass sich die Finger um 1,5 cm überlappen – das ist medizinisch bedeutsam und stört die Funktion der Hand. Röntgenaufnahmen in drei Richtungen (von hinten nach vorne, von der Seite und schräg) sind zwingend notwendig. Bei Brüchen, die bis in das Gelenk reichen, ist eine Computertomografie (CT, eine Schnittbild-Untersuchung) für die Planung der Operation hilfreich.
Behandlung
Das Ziel ist die Wiederherstellung der Funktion – nicht die anatomisch perfekte Wiederherstellung. Fehlstellungen, die tolerierbar sind, sind besser als eine unnötige Operation mit Komplikationsrisiko.
Konservative Therapie
Brüche, die nicht oder nur geringfügig verschoben sind und keine Verdrehung des Fingers aufweisen, werden ohne Operation behandelt: Ruhigstellung in einer Schiene (in der sogenannten Intrinsic-Plus-Position: das Fingergrundgelenk 70–90° gebeugt, die weiter außen liegenden Fingergelenke gestreckt) für 3–4 Wochen, gefolgt von einer Physiotherapie, die die Hand frühzeitig wieder bewegt und übt. Tolerierbare Abknickungen: am Hals des 5. Mittelhandknochens bis 40°, am 4. bis 30°, am 2. und 3. bis 10°. Verdrehungen des Fingers (Rotationsfehlstellungen) sind nicht tolerierbar.
Operative Therapie
Gründe für eine Operation: verschobene Brüche, die bis in das Gelenk reichen (mit einer Stufe der Gelenkfläche von mehr als 1 mm), Verdrehungen des Fingers, unstabile Brüche im Schaft (dem mittleren, geraden Teil des Knochens), offene Brüche (bei denen die Haut verletzt ist und der Knochen freiliegt), sowie Bennett- und Rolando-Frakturen. Verfahren:
- Versorgung mit Kirschner-Draht (K-Draht): Einfach, mit nur kleinen Eingriffen verbunden, für viele Bruchtypen geeignet. Nachteil: der Draht wird von außen fixiert, wodurch an der Eintrittsstelle des Drahtes ein Infektionsrisiko besteht.
- Versorgung mit Schrauben: Für Längs- und Schrägbrüche – eine stabile Befestigung, die eine sofortige Bewegung erlaubt.
- Versorgung mit einer Platte: Für komplizierte Brüche, Brüche mit mehreren Bruchstücken und Pseudarthrosen (Brüche, die nicht zusammenheilen und bei denen sich ein falsches Gelenk bildet). Höhere Stabilität, aber ein größerer Eingriff.
Die Bennett-Fraktur (Bruch am Daumengrundgelenk, der bis in das Gelenk reicht und bei dem der Knochen aus dem Gelenk gerutscht ist) wird in der Regel operativ versorgt: mit einem Kirschner-Draht (K-Draht) oder mit Schrauben, wobei die Gelenkfläche wieder genau in ihre natürliche Form gebracht wird.
- Sie haben einen Knochenbruch an der Mittelhand oder an einem Finger – das ist eine sehr häufige Verletzung, die aber gut behandelbar ist.
- Wichtig ist vor allem, dass Ihre Finger richtig zusammenpassen: Wenn Sie die Finger beugen, sollten sie nicht überkreuzen oder verdreht sein – eine solche Verdrehung muss immer behandelt werden.
- Viele Brüche heilen ohne Operation mit einer Schiene für etwa 3 bis 4 Wochen; nur bestimmte Brüche, zum Beispiel am Daumen oder mit Verdrehung, müssen operiert werden.
- Am wichtigsten für ein gutes Ergebnis ist, dass Sie die Hand nach der Ruhigstellung frühzeitig mit Physiotherapie wieder bewegen und üben.
