Plicasyndrom
Eine Schleimhautfalte, die Probleme macht – häufig übersehen, gut behandelbar.
Was ist eine Plica?
Synoviale Plicae sind Falten der Gelenkinnenhaut (medizinisch Synovialis, das ist die dünne Haut, die das Gelenk von innen auskleidet). Diese Falten sind Überreste aus der Entwicklung vor der Geburt: In dieser frühen Phase teilten Trennwände (Septen) das Kniegelenk noch in mehrere Kammern (Kompartimente) auf. Die Falten sind bei den meisten Menschen vorhanden – Untersuchungen mit einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie, eine Untersuchung des Gelenks mit einer kleinen Kamera) zeigen solche Falten bei bis zu 95 % der untersuchten Kniegelenke. Allein ihre Anwesenheit ist kein Problem.
Problematisch wird eine solche Falte (Plica), wenn sie durch immer wiederkehrende mechanische Belastung, Überbeanspruchung oder eine Verletzung (Trauma) verdickt, verhärtet (fibrotisch, das heißt sie vernarbt und wird derb) und sich entzündet. Die dann verdickte und vergrößerte (hypertrophierte) Falte reibt bei Beuge- und Streckbewegungen am inneren Anteil des Oberschenkelknochens (medialer Femurkondylus, die innere Rolle des Oberschenkelknochens am Kniegelenk) oder an der Kniescheibe und verursacht Schmerzen, Schnappen und in chronischen (also lang anhaltenden) Fällen sogar Knorpelschäden. Am häufigsten ist die innere Falte betroffen (mediale Plica, medizinisch Plica mediopatellaris, also die Falte an der Innenseite neben der Kniescheibe).
- Solche Falten sind bei fast allen Menschen vorhanden – nur eine Falte, die Beschwerden macht (symptomatische Plica), ist behandlungsbedürftig
- Typisch: Schmerzen an der Knieinnenseite bei körperlich aktiven jungen Erwachsenen
- Diagnose klinisch + MRT; Arthroskopie ist Goldstandard
- Behandlung ohne Operation (konservative Therapie mit Physiotherapie und entzündungshemmenden Schmerzmitteln, sogenannten NSAR) ist die erste Wahl
- Entfernung der Falte über eine Gelenkspiegelung (arthroskopische Resektion) mit guten Ergebnissen, wenn die Behandlung ohne Operation nicht anschlägt
Symptome
Das Plicasyndrom äußert sich typischerweise durch belastungsabhängige Schmerzen an der inneren (medialen) Knieseite oder vorne an der Kniescheibe. Charakteristisch ist ein schmerzhaftes Schnappen oder Klicken bei Beugung und Streckung des Knies, das der Patient oft selbst hervorrufen kann. Die Schmerzen verstärken sich bei längerem Sitzen (das sogenannte Kinozeichen, also Schmerzen etwa wie beim langen Sitzen im Kino), beim Treppensteigen und beim Sport – insbesondere bei Aktivitäten mit immer wiederkehrenden Kniebewegungen wie Radfahren oder Laufen.
In fortgeschrittenen Fällen kann man eine tastbare, auf Druck schmerzhafte Verdickung an der Innenseite neben der Kniescheibe ertasten. Eine Flüssigkeitsansammlung im Gelenk (Gelenkerguss) ist möglich, aber nicht typisch. Die Symptome können denen eines Meniskusrisses (Riss des Meniskus, der als Puffer zwischen den Knochen dienenden Knorpelscheibe im Knie) oder einer Knorpelschädigung an der Kniescheibe (medizinisch Chondropathia patellae) ähneln – eine sorgfältige Abgrenzung gegenüber anderen möglichen Ursachen (Differenzialdiagnose) ist daher wichtig.
Diagnose
Die Diagnose des Plicasyndroms wird in erster Linie anhand des Beschwerdebildes und der Untersuchung gestellt (klinisch). Das ausführliche Gespräch über die Krankengeschichte (Anamnese) und die körperliche Untersuchung stehen im Vordergrund: Druckschmerz an der Innenseite neben der Kniescheibe, ein wiederholbar auslösbares Schnappen bei Kniebewegung und die Auslösung des Schmerzes, indem die Falte gegen den inneren Anteil des Oberschenkelknochens (medialer Femurkondylus) gedrückt wird.
Die Kernspintomografie (MRT), ein Schnittbildverfahren ohne Röntgenstrahlen, kann eine verdickte, entzündete Falte darstellen und damit verbundene Knorpelschäden am inneren Anteil des Oberschenkelknochens (medialer Femurkondylus) oder an der Kniescheibe (Patella) zeigen. Zu beachten: Solche Falten sind auch bei Personen ohne Beschwerden im MRT sichtbar – der MRT-Befund allein reicht nicht für die Diagnose. Die bewegte (dynamische) Ultraschalluntersuchung kann eine verdickte Falte und das Schnappen während der Kniebewegung zeigen, das Ergebnis hängt aber stark von der Erfahrung des Untersuchers ab. Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie, Untersuchung des Gelenks mit einer kleinen Kamera) bleibt der zuverlässigste Maßstab für die Diagnose (Goldstandard): Sie ermöglicht es, die Falte direkt zu sehen, ihre Beziehung zum Knorpel zu beurteilen und sie gleichzeitig im selben Eingriff zu entfernen.
Behandlung
Das Plicasyndrom wird in erster Linie ohne Operation (konservativ) behandelt. Eine Operation ist erst dann angezeigt, wenn die Behandlung ohne Operation über mindestens 6–12 Wochen keinen Erfolg gebracht hat. Die Entfernung der Falte über eine Gelenkspiegelung (arthroskopische Resektion) zeigt bei richtiger Indikation, also wenn sie tatsächlich angebracht ist, sehr gute Ergebnisse.
Konservative Therapie
Die Behandlung ohne Operation (konservative Therapie) ist die erste Wahl und umfasst mehrere Bestandteile. Anpassung der Aktivitäten: Verringerung der auslösenden Belastungen (zum Beispiel vorübergehend weniger Radfahren oder Laufen). Entzündungshemmende Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, kurz NSAR) zur Hemmung der Entzündung und zur Schmerzlinderung. Physiotherapie: Kräftigung des inneren Anteils des vorderen Oberschenkelmuskels (Vastus medialis obliquus, kurz VMO), der Muskeln, die das Bein zur Seite abspreizen und nach außen drehen (Hüftabduktoren und -außenrotatoren), sowie Dehnungsübungen für den vorderen Oberschenkelmuskel (Quadrizeps) und das straffe Sehnenband an der Außenseite des Oberschenkels (Iliotibialband). Ziel ist es, das Gleiten der Kniescheibe im Gleitlager (patellofemorale Führung) zu verbessern und die mechanische Belastung der Falte zu verringern. Kältebehandlung (Kryotherapie) und physikalische Maßnahmen können ergänzend eingesetzt werden.
Eine Zusammenfassung mehrerer Studien (Metaanalyse) von Franco et al. (2025) zeigte, dass sowohl die Behandlung ohne Operation als auch die operative Behandlung zu einer deutlichen (statistisch signifikanten) Verbesserung führen, ohne bedeutsame Unterschiede zwischen beiden Gruppen – was den Ansatz unterstützt, zuerst ohne Operation zu behandeln. Patienten, bei denen sich nach 6–12 Wochen angemessener Behandlung ohne Operation keine ausreichende Besserung einstellt, kommen für einen Eingriff über eine Gelenkspiegelung (arthroskopische Intervention) in Frage.
Arthroskopische Resektion
Die Entfernung der Falte über eine Gelenkspiegelung (arthroskopische Plica-Resektion) ist ein Eingriff mit nur kleinen Schnitten (minimal-invasiv), bei dem die krankhaft veränderte Gelenkinnenhaut-Falte vollständig entfernt wird. Die Ergebnisse sind bei richtiger Indikation, also wenn der Eingriff tatsächlich angebracht ist, sehr gut: Eine Zusammenfassung mehrerer Studien (Metaanalyse) von Gerrard und Charalambous (2018) zeigte, dass 84 % der Patienten gute bis ausgezeichnete Ergebnisse nach der Entfernung über die Gelenkspiegelung hatten. Gleichzeitig können begleitende Knorpelveränderungen am inneren Anteil des Oberschenkelknochens (medialer Femurkondylus) oder an der Kniescheibe (Patella) im selben Eingriff über die Gelenkspiegelung behandelt werden. Die Rate an Komplikationen ist gering. Die Rückkehr zu normalen Aktivitäten ist meist innerhalb von 4–6 Wochen möglich, zum Sport nach 6–8 Wochen.
Häufige Fragen
Kann das Plicasyndrom von selbst verschwinden?
Ja, in vielen Fällen bessern sich die Beschwerden durch Anpassung der Aktivitäten und Behandlung ohne Operation deutlich oder verschwinden ganz. Eine vollständige Ausheilung von selbst ist möglich, insbesondere wenn die auslösende Belastung verringert wird.
Wie unterscheidet sich das Plicasyndrom von einem Meniskusriss?
Beide verursachen Schmerzen an der Knieinnenseite und können ein Schnappen auslösen. Der Meniskusriss (Riss der Knorpelscheibe im Knie) geht häufiger mit einer Flüssigkeitsansammlung im Gelenk (Gelenkerguss) einher, der Druckschmerz liegt am Gelenkspalt (dem Zwischenraum zwischen Ober- und Unterschenkelknochen). Beim Plicasyndrom liegt der Druckschmerz typischerweise an der Innenseite neben der Kniescheibe. Das MRT (die Kernspintomografie) und letztlich die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) sichern die Diagnose.
Wie lange dauert die Erholung nach arthroskopischer Resektion?
Die meisten Patienten können das Knie nach der Operation sofort belasten. Normale Alltagsaktivitäten sind nach 1–2 Wochen möglich, Sport nach 4–8 Wochen. Eine begleitende Physiotherapie beschleunigt die Erholung.
- Bei Ihnen ist eine Falte der Gelenkinnenhaut im Knie gereizt und verdickt – das nennt man Plicasyndrom. Solche Falten haben fast alle Menschen, nur eine gereizte Falte macht Beschwerden.
- Typisch sind Schmerzen an der Knieinnenseite oder vorne an der Kniescheibe, oft mit einem Schnappen beim Beugen und Strecken und stärker beim Sport oder langem Sitzen.
- Die wichtigste erste Behandlung ist ohne Operation: Belastung vorübergehend reduzieren, entzündungshemmende Medikamente und vor allem gezielte Physiotherapie – die Beschwerden bessern sich damit oft deutlich oder verschwinden ganz.
- Erst wenn die Beschwerden nach etwa 6 bis 12 Wochen trotz dieser Behandlung nicht besser werden, kann ein kleiner Eingriff mit Kamera (Arthroskopie) sinnvoll sein, der meist sehr gute Ergebnisse bringt.
