Knorpelschäden im Sprunggelenk
Osteochondrale Läsionen des Talus (OLT): Diagnose, Klassifikation und evidenzbasierte Therapie nach Defektgröße.
Osteochondrale Läsionen des Talus
Osteochondrale Läsionen des Talus (Schäden am Gelenkknorpel und dem darunterliegenden Knochen des Sprungbeins), kurz OLT genannt, sind Schäden am Gelenkknorpel und dem darunterliegenden Knochen des Sprungbeins (dem sogenannten Talus). Sie entstehen typischerweise nach einem Umknicken des Sprunggelenks (in 6–38 % der Fälle) oder durch dauerhafte Überlastung. Die innere (mediale) Kante des Sprungbeins ist häufiger betroffen als die äußere (laterale). Solche Schäden sind eine wichtige Ursache für anhaltende Beschwerden im Sprunggelenk nach einem Umknicken: Bis zu 50 % der Patienten mit fortbestehenden Schmerzen nach einer Sprunggelenksverletzung haben einen solchen Knorpel-Knochen-Schaden.
Die Einteilung erfolgt nach Berndt und Harty (anhand von Röntgenbildern, in die Schweregrade I–IV) oder nach der ICRS-Klassifikation (bei einer Gelenkspiegelung, in die Schweregrade 0–4). Für die Behandlungsplanung sind entscheidend: die Größe des Schadens (in Quadratzentimetern), die Tiefe (also ob nur der Knorpel oder auch der Knochen betroffen ist), die Lage und die Stabilität des Schadens.
- Häufig nach einem Umknicken des Sprunggelenks – anhaltende Schmerzen immer abklären lassen
- CT und MRT für Klassifikation und OP-Planung obligat
- Kleine Schäden (<1,5 cm²): Anregung der Heilung aus dem Knochenmark (sogenannte Mikrofrakturierung/AMIC)
- Größere Schäden (>1,5 cm²): MACI (Verpflanzung körpereigener Knorpelzellen) oder Verpflanzung von Knorpel-Knochen-Gewebe
- Behandlung ohne Operation bei stabilen Schäden ohne Beteiligung des Knochens
Symptome und Diagnose
Solche Knorpel-Knochen-Schäden verursachen belastungsabhängige Schmerzen im Sprunggelenk, Schwellung, Steifigkeit und gelegentliches Schnappen oder Blockieren des Gelenks. Die Beschwerden sind oft unspezifisch (also nicht eindeutig zuzuordnen) und können nach einem Umknicken wochenlang anhalten.
Röntgenaufnahmen sind bei frühen Schäden oft unauffällig. Die Computertomografie (CT, eine spezielle Schichtröntgenaufnahme) ist die bevorzugte Bildgebung, um den Knochen unter dem Knorpel, die Größe und Tiefe des Schadens sowie die Operationsplanung zu beurteilen. Die Magnetresonanztomografie (MRT, eine Untersuchung mit Magnetfeldern ohne Röntgenstrahlen) zeigt den Zustand des Knorpels, eine Wasseransammlung im Knochen (Knochenmarködem) und die Stabilität des Schadens. Die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) ist die zuverlässigste Untersuchungsmethode und ermöglicht gleichzeitig die Behandlung.
Behandlung
Die Behandlungsstrategie richtet sich nach der Größe des Schadens, seiner Tiefe, seiner Stabilität und dem Alter des Patienten. Begleiterkrankungen (wie eine Instabilität der Bänder oder eine Fehlstellung) müssen gleichzeitig mitbehandelt werden.
Konservative Therapie
Stabile Schäden, die nicht verschoben sind (Berndt-Harty Grad I–II), können ohne Operation behandelt werden: Entlastung für 6–12 Wochen, Physiotherapie und Versorgung mit Einlagen. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Heilungsrate ohne Operation höher als bei Erwachsenen.
Knochenmarkstimulation: Mikrofrakturierung und AMIC
Die Mikrofrakturierung im Rahmen einer Gelenkspiegelung ist das Standardverfahren für Schäden unter 1,5 cm²: Durch kleine Anbohrungen des Knochens unter dem Knorpel werden Stammzellen (körpereigene Zellen mit Heilungspotenzial) freigesetzt, die einen Ersatzknorpel (Faserknorpel) bilden. Die kurzfristigen Ergebnisse (über 2–3 Jahre) sind gut, verschlechtern sich jedoch im Langzeitverlauf. Die AMIC (Autologe Matrix-induzierte Chondrogenese, also die Anregung der Knorpelbildung mithilfe körpereigener Zellen und einer Trägerschicht) kombiniert die Mikrofrakturierung mit einer Kollagenmatrix (einem Trägervlies aus Bindegewebseiweiß) und zeigt bessere Langzeitergebnisse.
MACI und osteochondrale Transplantation
Für Schäden über 1,5 cm² oder wenn die Anregung der Heilung aus dem Knochenmark nicht erfolgreich war: MACI (Matrixgekoppelte autologe Chondrozytentransplantation, also die Verpflanzung körpereigener Knorpelzellen auf einer Trägerschicht) oder Verpflanzung von Knorpel-Knochen-Gewebe (OATS) mit körpereigenen Zylindern aus dem Knie. Beide Verfahren zeigen bei großen Schäden bessere Langzeitergebnisse als die Mikrofrakturierung. Systematische Übersichtsarbeiten (Zengerink et al. 2010, Murawski et al. 2016) bestätigen gute Ergebnisse für alle Verfahren bei richtiger Auswahl (Indikation).
- Sie haben einen Schaden am Knorpel und Knochen Ihres Sprungbeins im Sprunggelenk. Das kommt oft nach einem Umknicken oder durch dauerhafte Überlastung.
- Wichtig: Wenn Sie nach einer Verletzung des Sprunggelenks über Wochen weiter Schmerzen, Schwellung oder Blockieren haben, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.
- Für die genaue Beurteilung sind Spezialaufnahmen wie CT und MRT nötig, da normale Röntgenbilder den Schaden oft nicht zeigen.
- Kleine, stabile Schäden können oft ohne Operation mit Schonung und Physiotherapie heilen; größere Schäden werden operativ behandelt. Die passende Behandlung hängt von Größe, Tiefe und Ihrem Alter ab.
