ORDINATIONS-Termin buchenTELEMEDIZIN-Termin buchen
Sportverletzungen · Wien & Tulln

Sehnenrisse

Achillessehne, Quadrizepssehne, Bizepssehne: Komplette Rupturen erfordern eine individuelle Therapieentscheidung – mit klarer Evidenz für die meisten Fälle.

Medizinische Information · Stand: Juli 2026 · OA Dr. Georg C. Bézard

Die häufigsten Sehnenrisse

Sehnenrisse (Sehnenrupturen) entstehen meist dadurch, dass eine bereits vorgeschädigte Sehne plötzlich stark gedehnt und dabei überlastet wird (exzentrische Überlastung, also eine Belastung, bei der die Sehne unter Spannung nachgeben muss) – nur selten reißt eine gesunde Sehne durch einen ausreichend heftigen Unfall (adäquates Trauma). Bereits bestehende verschleißbedingte Veränderungen der Sehne (Tendinopathie, also eine krankhaft veränderte, geschwächte Sehne), Kortison-Spritzen in die Sehne und bestimmte Medikamente (Fluorochinolone, eine Gruppe von Antibiotika) erhöhen das Risiko für einen Riss erheblich. Die drei im klinischen Alltag bedeutsamsten Sehnenrisse sind der Riss der Achillessehne (die Sehne am hinteren Fußgelenk, die die Wade mit der Ferse verbindet), der Riss der Quadrizepssehne (die Sehne des vorderen Oberschenkelmuskels oberhalb der Kniescheibe) und der Riss der Bizepssehne (die Sehne des Oberarmbeugemuskels).

Auf einen Blick
  • Achillessehne (die Sehne am hinteren Fußgelenk): häufigster Riss einer großen Sehne; Behandlung ohne Operation und Behandlung mit Operation führen zu gleichwertigen Ergebnissen (NEJM 2002)
  • Quadrizepssehne (die Sehne oberhalb der Kniescheibe): die Operation ist der Standard – der Streckapparat (die Verbindung, über die man das Knie aktiv strecken kann) muss wiederhergestellt werden
  • Körperferne Bizepssehne (der Sehnenteil nahe dem Ellenbogen): für aktive Patienten wird die Operation empfohlen – ohne Operation halbiert sich die Kraft beim Auswärtsdrehen des Unterarms (Supinationskraft)
  • Kortison-Spritzen in Sehnen erhöhen das Risiko für einen Riss – sie sind daher nicht erlaubt (kontraindiziert)

Achillessehnenruptur

Der Riss der Achillessehne (die Sehne am hinteren Fußgelenk) ist der häufigste Riss einer großen Sehne mit einer Häufigkeit von 18–24 Fällen pro 100.000 Personen pro Jahr. Er betrifft typischerweise Männer zwischen 30 und 50 Jahren beim Freizeitsport (Badminton, Tennis, Fußball). Der klassische Auslöser ist eine plötzliche Belastung, bei der die Sehne unter Spannung nachgeben muss (exzentrische Belastung) – ein Abstoß oder eine abrupte Beschleunigung. Betroffene beschreiben oft ein hörbares „Knall"-Geräusch und das Gefühl, von hinten gegen die Wade getreten worden zu sein.

Die Diagnose wird durch die körperliche Untersuchung gestellt: Der Thompson-Test (dabei drückt der Arzt die Wade zusammen, während der Patient auf dem Bauch liegt – bei einem Riss bewegt sich der Fuß dabei nicht nach unten, das heißt es fehlt die Plantarflexion, das Beugen des Fußes zur Fußsohle hin) erkennt einen Riss in 96 % der Fälle (Sensitivität von 96 %). Der Ultraschall bestätigt den Riss und zeigt die Lücke im Gewebe. Die Magnetresonanztomografie (MRT, ein Schnittbildverfahren ohne Röntgenstrahlen) wird eingesetzt, wenn die Befunde unklar sind.

Therapie: Die wegweisende Studie von Willits et al. (NEJM 2002), bei der die Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungsgruppe zugeteilt wurden (randomisierte Studie), zeigte gleichwertige Ergebnisse zwischen der Behandlung mit Operation und der Behandlung ohne Operation (mit einer funktionellen Orthese, also einer beweglichen Stützschiene) bei frischen Achillessehnenrissen. Das Risiko, dass die Sehne erneut reißt (Rerupturrisiko), ist bei der Behandlung ohne Operation mit funktioneller Orthese nicht höher als nach einer Operation. Aktuelle Leitlinien (AWMF 2020, ESSKA) empfehlen: die Behandlung mit Operation bei jungen, aktiven Patienten und Sportlern; die Behandlung ohne Operation mit funktioneller Orthese (keine feste Ruhigstellung im Gips) bei älteren, weniger aktiven Patienten. Entscheidend ist die frühe, bewegungsorientierte Nachbehandlung (frühfunktionelle Nachbehandlung) – nicht die Wahl des Verfahrens.

Quadrizepssehnenruptur

Der Riss der Quadrizepssehne (die Sehne des vorderen Oberschenkelmuskels oberhalb der Kniescheibe) ist seltener als der Achillessehnenriss, aber für die Funktion des Beins schwerwiegend: Der Streckapparat des Kniegelenks (die Verbindung, über die man das Knie aktiv strecken kann) ist unterbrochen. Er betrifft häufiger ältere Patienten und tritt gehäuft zusammen mit Erkrankungen des ganzen Körpers auf (Nierenschwäche, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen mit Kalziumstörung [Hyperparathyreoidismus], Zuckerkrankheit [Diabetes], Kortison-Einnahme). Typisch ist ein Sturz mit gebeugtem Knie, die Unfähigkeit, das Knie aktiv zu strecken, und eine tastbare Delle oberhalb der Kniescheibe.

Therapie: Die Operation ist bei einem vollständigen Riss der Standard – der Streckapparat (die Verbindung, über die man das Knie aktiv strecken kann) muss wiederhergestellt werden. Die Sehne wird mit Nähten, die durch Bohrkanäle im Knochen geführt werden (transossäre Nähte), oder mit im Knochen verankerten Fäden (Fadenanker) wieder an der Kniescheibe befestigt. Bei einem frischen Riss sind die Ergebnisse sehr gut. Eine Verzögerung von mehr als 2–3 Wochen verschlechtert die Aussichten deutlich (die Sehne zieht sich zurück [Retraktion] und vernarbt). Nach der Operation: eine Knieorthese (eine Stützschiene für das Knie) für 6 Wochen, Physiotherapie, volle Belastung nach 6–8 Wochen, Rückkehr zum Sport nach 4–6 Monaten.

Distale Bizepssehnenruptur

Der Riss der körperfernen Bizepssehne betrifft die Stelle, an der die Bizepssehne an einem Höcker der Speiche (Radiustuberositas, ein Knochenvorsprung am Unterarmknochen nahe dem Ellenbogen) ansetzt. Er ist selten (1–2 Fälle pro 100.000 pro Jahr), betrifft fast ausschließlich Männer und entsteht durch eine plötzliche Belastung, bei der der gebeugte Ellenbogen unter Spannung nachgeben muss (exzentrische Belastung). Typisch sind Schmerzen in der Ellenbeuge, eine tastbare Delle sowie eine Schwäche beim Beugen des Arms und beim Auswärtsdrehen des Unterarms (Supination).

Therapie: Bei aktiven Patienten wird empfohlen, die Sehne operativ wieder am Höcker der Speiche (Radiustuberositas, dem Knochenvorsprung am Unterarmknochen nahe dem Ellenbogen) zu befestigen: Ohne Operation verliert der Patient etwa 40–50 % der Kraft beim Auswärtsdrehen des Unterarms (Supinationskraft) und 20–30 % der Beugekraft. Die Ergebnisse nach der Operation sind bei einem frischen Riss (innerhalb von 2–3 Wochen) sehr gut. Bei älteren, körperlich wenig aktiven Patienten kann eine Behandlung ohne Operation in Betracht gezogen werden.

Häufige Fragen

Muss ein Achillessehnenriss immer operiert werden?

Nein. Hochwertige Studien zeigen gleichwertige Ergebnisse zwischen der Behandlung mit Operation und der Behandlung ohne Operation mit einer funktionellen Orthese (einer beweglichen Stützschiene). Die Entscheidung hängt von Alter, Aktivitätsniveau und individuellen Faktoren ab. Wichtig: keine feste Ruhigstellung im Gips – entscheidend ist eine frühe, bewegungsorientierte Behandlung.

Wie lange dauert die Rehabilitation nach Achillessehnenruptur?

Laufen ist nach 3–4 Monaten möglich, die Rückkehr zu Sprungsportarten nach 6–9 Monaten. Die Rehabilitation (der Wiederaufbau nach der Verletzung) umfasst eine schrittweise Steigerung der Belastung, das Kräftigen der Wadenmuskulatur und ein Training des Gleichgewichts- und Bewegungsgefühls (propriozeptives Training).

Erhöhen Kortison-Injektionen das Rupturrrisiko?

Ja. Kortison-Spritzen in oder unmittelbar an Sehnen erhöhen das Risiko für einen Riss erheblich, weil sie das Sehnengewebe schwächen. Bei verschleißbedingt geschädigten Sehnen (Tendinopathien) sind sie daher nicht erlaubt (kontraindiziert).

Fazit – das Wichtigste für Sie
  • Ein Sehnenriss entsteht meist plötzlich, wenn eine bereits vorgeschädigte Sehne stark belastet wird – zum Beispiel beim Sport durch einen abrupten Abstoß.
  • Nicht jeder Riss muss operiert werden: Beim Achillessehnenriss sind Operation und Behandlung mit einer Spezialschiene gleich gut, während Risse der Kniestrecksehne fast immer und Risse der Bizepssehne bei aktiven Menschen meist operiert werden sollten.
  • Wichtig für die Heilung ist eine frühe, bewegungsorientierte Nachbehandlung – kein starrer Gips – sowie eine rasche Behandlung, da Verzögerungen das Ergebnis verschlechtern.
  • Lassen Sie sich keine Kortison-Spritze direkt in eine gereizte Sehne geben, denn das schwächt die Sehne und erhöht das Risiko für einen Riss.
OA Dr. Georg C. Bézard
OA Dr. Georg C. Bézard
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Facharzt für Unfallchirurgie · Wien & Tulln

Literatur & Evidenz

  1. Willits K, Amendola A, Bryant D, et al. Operative versus nonoperative treatment of acute Achilles tendon ruptures: a multicenter randomized trial using accelerated functional rehabilitation. J Bone Joint Surg Am 2010;92:2767–2775. PMID: 21037028
  2. Nilsson-Helander K, Silbernagel KG, Thomeé R, et al. Acute Achilles tendon rupture: a randomized, controlled study comparing surgical and nonsurgical treatments using validated outcome measures. Am J Sports Med 2010;38:2186–2193. PMID: 20802094
  3. Soroceanu A, Sidhwa F, Aarabi S, Kaufman A, Glazebrook M. Surgical versus nonsurgical treatment of acute Achilles tendon rupture: a meta-analysis of randomized trials. J Bone Joint Surg Am 2012;94:2136–2143. PMID: 23224384
  4. AWMF. S1-Leitlinie Achillessehnenruptur. Registernummer 033-002. 2020.
  5. Erickson BJ, Chalmers PN, Bush-Joseph CA, Romeo AA. Repair of the distal biceps tendon: techniques and outcomes. Sports Med Arthrosc Rev 2015;23:210–214. PMID: 26524565
  6. Siwek CW, Rao JP. Ruptures of the extensor mechanism of the knee joint. J Bone Joint Surg Am 1981;63:932–937. PMID: 7240329
  7. Beason DP, Abboud JA, Kuntz AF, Bassora R, Soslowsky LJ. Cumulative effects of sub-failure tendon strains on tendon mechanical properties in a rat model. J Biomech 2007;40:924–931. PMID: 16730013
  8. Maffulli N, Ajis A. Management of chronic ruptures of the quadriceps tendon. J Bone Joint Surg Am 2008;90:2066–2076. PMID: 18762668
  9. Chillemi C, Gigante A, Verdenelli A, et al. Partial rupture of distal biceps tendon: results of conservative treatment. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2007;15:90–93. PMID: 16896793

Weitere Themen