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Schulterchirurgie · Wien & Tulln

Schulterschmerzen

Ein evidenzbasierter Übungsguide für die häuslichen Schulterübungen - mit klaren Grenzen, wann Sie besser pausieren sollten.

Medizinische Information · Stand: August 2026 · OA Dr. Georg C. Bézard

Warum Uebungen bei Schulterschmerzen so wirksam sind

Die meisten Schulterschmerzen entstehen nicht durch einen einzelnen Schaden, sondern durch ein Ungleichgewicht: Die tiefe Muskulatur, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentriert (die sogenannte Rotatorenmanschette - eine Gruppe von vier kleinen Muskeln, die das Schultergelenk führen und stabilisieren), arbeitet zu schwach, während andere Muskeln übernehmen. Dadurch kann es zum Impingement-Syndrom (Einklemmung von Sehnen und Schleimbeutel unter dem Schulterdach) kommen.

Genau hier setzen Übungen an. Sie trainieren die stabilisierende Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit und entlasten die gereizten Strukturen. In meiner Ordination erlebe ich immer wieder, dass Patientinnen und Patienten mit einem konsequenten Heimprogramm oft eine Operation vermeiden können. Mehr zu meinem Behandlungsansatz finden Sie unter Schulterspezialist Wien.

Schulterschmerzen: Die wichtigsten Übungen für zu Hause
Auf einen Blick
  • Gezielte Uebungen sind bei vielen Schulterschmerzen (etwa beim Impingement-Syndrom) die wichtigste Behandlung - noch vor jeder Operation.
  • Vier Bausteine sind zentral: Pendelübung, Außenrotation mit Band, Schulterblatt-Kräftigung und Dehnung der hinteren Kapsel.
  • Übungen sollen ziehen oder anstrengen dürfen, aber keinen scharfen Schmerz auslösen.
  • Bei frischer Verletzung, nächtlichem Schmerz mit deutlichem Kraftverlust gehört die Schulter zuerst ärztlich abgeklärt.
  • Konsequentes Training über Wochen bringt oft mehr als kurzfristige Spritzenkuren.

Die Pendelübung - sanfter Einstieg

So gehen Sie vor

  • Beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorne und stützen sich mit dem gesunden Arm auf einem Tisch ab.
  • Lassen Sie den schmerzenden Arm locker hängen.
  • Bewegen Sie ihn aus der Hüfte heraus in kleinen Kreisen und vor und zurück - der Arm selbst bleibt passiv.

Wiederholungen: jeweils rund eine Minute, zwei- bis dreimal täglich.

Häufiger Fehler: Viele bewegen aktiv den Arm mit Muskelkraft. Das Ziel ist aber die entlastende, passive Bewegung - der Arm soll wie ein Pendel schwingen. Diese Übung eignet sich besonders in frühen, schmerzhaften Phasen, weil sie das Gelenk kaum belastet.

Außenrotation mit dem Theraband - Kraft für die Rotatorenmanschette

So gehen Sie vor

  • Befestigen Sie ein elastisches Band (Theraband) auf Ellbogenhöhe, etwa an einer Türklinke.
  • Stellen Sie sich seitlich dazu, der Ellbogen bleibt eng am Körper und ist 90 Grad gebeugt.
  • Klemmen Sie ein zusammengerolltes Handtuch zwischen Ellbogen und Rumpf.
  • Drehen Sie den Unterarm langsam nach außen, halten kurz, und führen ihn kontrolliert zurück.

Wiederholungen: 2 bis 3 Sätze mit je 10 bis 15 Wiederholungen, jeden zweiten Tag.

Häufiger Fehler: Der Ellbogen löst sich vom Körper oder der Oberkörper dreht mit. Das Handtuch hilft, die richtige Position zu halten. Wählen Sie ein Band, bei dem die letzten Wiederholungen anstrengend, aber schmerzfrei sind.

Schulterblatt-Kräftigung und Dehnung der hinteren Kapsel

Skapula-Kräftigung

Das Schulterblatt (Skapula) ist das Fundament der Schulter. Eine einfache Übung: Ziehen Sie im Stehen oder Sitzen beide Schulterblätter nach hinten-unten zusammen, als wollten Sie eine Bleistift dazwischen halten. Halten Sie die Spannung 5 Sekunden.

  • Wiederholungen: 3 Sätze mit je 10 Wiederholungen, täglich möglich.
  • Fehler: Die Schultern nach oben zu den Ohren ziehen - das verstärkt eine Schulterverspannung statt sie zu lösen.

Dehnung der hinteren Kapsel

Die hintere Gelenkkapsel ist bei vielen verkürzt. So dehnen Sie sie: Führen Sie den betroffenen Arm gestreckt vor dem Körper zur Gegenseite und ziehen ihn mit dem anderen Arm sanft näher an die Brust.

  • Dauer: 3-mal 30 Sekunden halten, täglich.
  • Fehler: Der Rumpf dreht mit - dann wird nicht mehr die Kapsel gedehnt. Der Zug soll spürbar ziehen, nicht stechen.

Wann Sie NICHT einfach weitertrainieren sollten

Übungen sind kein Allheilmittel. In diesen Situationen ist zuerst eine ärztliche Abklärung nötig:

  • Frische Verletzung - etwa nach einem Sturz auf die Schulter oder einer ruckartigen Belastung.
  • Deutlicher Kraftverlust - wenn Sie den Arm kaum noch aktiv heben können, kann ein Sehnenriss (Rotatorenmanschettenruptur) vorliegen.
  • Ausgeprägter Nachtschmerz in Kombination mit Kraftverlust.
  • Zunehmende Steifheit, wie sie bei einer Frozen Shoulder (Schultersteife, Entzündung und Schrumpfung der Gelenkkapsel) auftritt - hier braucht es ein angepasstes Vorgehen.

Grundregel: Ein leichtes Ziehen während der Übung ist in Ordnung. Ein scharfer, stechender Schmerz oder Beschwerden, die nach dem Training deutlich zunehmen, sind ein Stoppzeichen. Wenn sich nach vier bis sechs Wochen konsequentem Üben nichts bessert, empfehle ich eine Abklärung - gerne auch als Zweitmeinung.

Was sagt die Studienlage zur Physiotherapie?

Für das Impingement-Syndrom ist die Datenlage vergleichsweise klar: Strukturierte Bewegungstherapie und Physiotherapie verbessern Schmerz und Funktion und sind bei vielen Betroffenen einer Operation ebenbürtig. Entscheidend ist die Konsequenz - das Training braucht Wochen, um zu wirken.

Deshalb setze ich in meiner Ordination auf ein individuell abgestimmtes Übungsprogramm statt auf Spritzenkuren oder Stoßwellen-Abos ohne klaren Nutzen. Eine Operation erwäge ich nur bei eindeutiger Indikation, etwa einem relevanten Sehnenriss mit Funktionsverlust.

Häufige Fragen

Wie schnell wirken Schulterübungen?

Realistisch sind erste Verbesserungen nach etwa vier bis sechs Wochen regelmäßigen Übens. Wichtiger als hohe Intensität ist die Regelmäßigkeit über mehrere Wochen hinweg.

Darf ich trotz Schmerzen üben?

Ein leichtes Ziehen oder Anstrengungsgefühl ist erlaubt. Ein scharfer, stechender Schmerz oder eine deutliche Zunahme der Beschwerden nach dem Training bedeutet: pausieren und die Übung überprüfen. Bei Kraftverlust oder starkem Nachtschmerz zuerst ärztlich abklären lassen.

Wie oft soll ich die Uebungen machen?

Beweglichkeitsübungen wie Pendel und Dehnung können täglich erfolgen. Kräftigende Übungen mit dem Band idealerweise jeden zweiten Tag, damit sich die Muskulatur erholen kann.

Brauche ich Physiotherapie oder reichen Heimübungen?

Viele Betroffene profitieren von einer anfänglichen Anleitung durch Physiotherapie, um die richtige Ausführung zu lernen. Danach ist ein selbstständiges Heimprogramm meist der wichtigste Erfolgsfaktor.

Literatur & Evidenz

  1. Systematische Uebersichtsarbeiten zur Wirksamkeit von Bewegungstherapie beim subacromialen Impingement-Syndrom PubMed
  2. Studien zum Vergleich von konservativer Behandlung und Operation bei Schulterimpingement PubMed
  3. Übersichtsarbeiten zur Kräftigung der Rotatorenmanschette und Skapulastabilisation PubMed
  4. Leitlinien und Reviews zur konservativen Therapie von Schulterschmerzen PubMed
OA Dr. Georg C. Bézard
OA Dr. Georg C. Bézard
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Facharzt für Unfallchirurgie · Wien & Tulln