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Schulterchirurgie · Wien & Tulln

Oberarmschmerzen

Warum ein Schmerz im Oberarm häufig gar nicht vom Arm selbst, sondern von der Schulter stammt - und wie man die Ursache seriös einordnet.

Medizinische Information · Stand: August 2026 · OA Dr. Georg C. Bézard

Warum der Oberarm schmerzt, obwohl das Problem in der Schulter liegt

Viele Patientinnen und Patienten kommen mit dem Satz zu mir: Es zieht im Oberarm, aber die Schulter tut gar nicht weh. Das ist kein Widerspruch. Der Körper lokalisiert Schmerzen aus dem Schultergelenk häufig weiter unten am Arm - meist an der Außenseite (lateraler Oberarm), teils bis zum Ellbogen. Dieses Phänomen nennt man übertragenen Schmerz (der Schmerz wird nicht dort empfunden, wo er entsteht).

Der Grund liegt in der gemeinsamen Nervenversorgung: Die Strukturen der Schulter und die Haut am Oberarm teilen sich Nervenbahnen. Das Gehirn kann die Quelle deshalb nicht immer exakt zuordnen. Wenn also der linke Oberarm schmerzt oder Sie Schmerzen am Oberarm außen verspüren, ist die Schulter der erste Ort, an dem man suchen sollte.

Oberarmschmerzen: Wenn der Schmerz von der Schulter kommt
Auf einen Blick
  • Schmerzen im Oberarm strahlen sehr oft aus der Schulter aus, obwohl der Schmerz weiter unten empfunden wird.
  • Häufigste Ursachen sind Rotatorenmanschette, Impingement, Bizepssehne und Kalkdepots.
  • Wichtig ist die Abgrenzung zu Nacken, Nervenreizung und - in seltenen Fällen - zum Herzen.
  • Die meisten Fälle bessern sich mit gezielter konservativer Behandlung ohne Operation.
  • Eine klare Diagnose vor jeder Therapie erspart unnötige Spritzenkuren oder Eingriffe.

Die häufigsten Schulterursachen für Oberarmschmerzen

In meiner Ordination sind es einige wenige Diagnosen, die den Großteil der Oberarmschmerzen erklären:

  • Rotatorenmanschette (die Gruppe von vier Muskeln und Sehnen, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne führen): Eine Reizung oder ein Riss dieser Sehnen äußert sich klassisch als tiefer, ziehender Schmerz an der Außenseite des Oberarms, oft verstärkt beim Heben oder in der Nacht.
  • Impingement (Engpass-Syndrom, bei dem Sehnen unter dem Schulterdach eingeklemmt werden): Typisch ist der schmerzhafte Bogen beim seitlichen Anheben des Arms zwischen etwa 60 und 120 Grad.
  • Bizepssehne (die lange Sehne des Oberarmbeugers, die durch die Schulter verläuft): Ihre Reizung verursacht Schmerzen an der Vorderseite des Oberarms.
  • Kalkdepot (Kalkschulter, eine Kalkeinlagerung in einer Sehne): Kann heftige, teils attackenartige Schmerzen bis in den Oberarm auslösen.

Mehr zum Gesamtbild der Schultererkrankungen finden Sie auf unserer Seite zur Schulterspezialistin und -diagnostik in Wien.

Abgrenzung: Kommt der Schmerz wirklich von der Schulter?

Nicht jeder Oberarmschmerz stammt aus dem Gelenk. Wichtig ist, andere Quellen abzugrenzen:

  • Halswirbelsäule (Nacken): Eine gereizte Nervenwurzel im Nacken (zervikale Radikulopathie) kann Schmerzen in den Arm ausstrahlen. Hinweise sind Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust und eine Verstärkung bei Kopfbewegungen.
  • Nervenreizung: Manche Beschwerden gehen von eingeengten Nerven aus und äußern sich mit elektrisierenden oder brennenden Qualitäten.
  • Herz: In seltenen Fällen kann - besonders am linken Arm - ein Herzproblem Schmerzen verursachen. Wenn Oberarmschmerzen plötzlich, in Ruhe, gemeinsam mit Druck auf der Brust, Atemnot, Übelkeit oder Schweißausbruch auftreten, ist das ein Notfall - bitte sofort 144 rufen. Solche Schmerzen sind bewegungsunabhängig, während Schulterschmerzen typischerweise durch bestimmte Bewegungen ausgelöst werden.

Selbstcheck für zu Hause

Ein paar einfache Beobachtungen helfen bei der ersten Einordnung - sie ersetzen keine Untersuchung, geben aber wertvolle Hinweise:

  • Bewegungsabhängig? Wenn der Schmerz bei bestimmten Armbewegungen (Anheben, hinter den Rücken greifen) auftritt, spricht das für die Schulter.
  • Nachtschmerz? Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite sind typisch für Rotatorenmanschette und Impingement.
  • Nacken beteiligt? Verstärken Kopfdrehungen oder Nackenbewegungen den Schmerz, sollte die Halswirbelsäule mituntersucht werden.
  • Gefühlsstörungen? Taubheit oder Kribbeln deuten eher auf einen Nerv als auf das Gelenk hin.

Warnzeichen, die eine zeitnahe Abklärung erfordern: deutlicher Kraftverlust, Schmerzen nach einem Sturz, Fieber oder rasch zunehmende Beschwerden.

Diagnostik: erst verstehen, dann behandeln

Eine gute Diagnose beginnt mit dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung. Mit gezielten Funktionstests lässt sich oft schon eingrenzen, welche Struktur betroffen ist. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Ultraschall (Sonographie, eine strahlungsfreie Untersuchung mit Schallwellen): sehr gut geeignet, um Sehnen der Rotatorenmanschette und die Bizepssehne dynamisch zu beurteilen.
  • Röntgen: zeigt knöcherne Veränderungen und Kalkdepots.
  • MRT (Magnetresonanztomographie, Schnittbilder ohne Röntgenstrahlung): bei unklaren Fällen oder vor einer möglichen Operation zur genauen Darstellung von Sehnen- und Weichteilschäden.

Mein Grundsatz: Es wird nur untersucht, was die Behandlung tatsächlich beeinflusst - keine Bildgebung um ihrer selbst willen.

Behandlung: konservativ zuerst, Operation nur bei klarer Indikation

Die gute Nachricht: Die meisten Oberarm- und Schulterschmerzen bessern sich ohne Operation. Bewährt haben sich:

  • Gezielte Physiotherapie: das wichtigste Werkzeug - zur Kräftigung und Verbesserung der Gelenkführung.
  • Belastungsanpassung und ergonomische Beratung im Alltag und Beruf.
  • Schmerzmedikation zeitlich begrenzt, um die aktive Therapie zu ermöglichen.

Was Sie bei mir nicht bekommen: routinemäßige Spritzenkuren oder Stoßwellen-Abos. Solche Maßnahmen setze ich nur ein, wenn sie im Einzelfall begründet sind. Eine Operation - etwa bei einem relevanten Sehnenriss oder einem hartnäckigen Kalkdepot - kommt erst infrage, wenn die Diagnose eindeutig ist und konservative Wege ausgeschöpft sind. Eine Zweitmeinung ist dabei ausdrücklich willkommen.

Häufige Fragen

Mein linker Oberarm schmerzt - muss ich mir Sorgen um das Herz machen?

In den allermeisten Fällen sind bewegungsabhängige Oberarmschmerzen harmlos und stammen aus der Schulter. Achten Sie aber auf Warnzeichen: Treten die Schmerzen plötzlich in Ruhe auf, gemeinsam mit Druck auf der Brust, Atemnot, Übelkeit oder Kaltschweißigkeit, rufen Sie sofort 144. Ein bewegungsabhängiger Schmerz spricht dagegen für die Schulter.

Warum tut der Oberarm weh, aber die Schulter selbst nicht?

Das ist ein sehr häufiges Phänomen. Schmerzen aus dem Schultergelenk werden aufgrund der gemeinsamen Nervenversorgung oft weiter unten am Oberarm empfunden - man spricht von übertragenem Schmerz. Deshalb sollte bei Oberarmschmerzen immer die Schulter mituntersucht werden.

Brauche ich sofort ein MRT?

Nicht unbedingt. Häufig genügen Gespräch, Untersuchung und Ultraschall, um die Ursache einzugrenzen. Ein MRT ist sinnvoll bei unklaren Befunden oder vor einer möglichen Operation. Bildgebung sollte immer eine Konsequenz für die Behandlung haben.

Kommt man um eine Operation herum?

In den meisten Fällen ja. Die Mehrheit der Oberarm- und Schulterschmerzen bessert sich mit gezielter Physiotherapie und Belastungsanpassung. Eine Operation ist nur bei klarer Indikation - etwa relevanten Sehnenrissen - sinnvoll, und eine Zweitmeinung ist jederzeit willkommen.

Literatur & Evidenz

  1. Systematische Uebersichtsarbeiten zu Diagnostik und konservativer Therapie des subakromialen Impingement-Syndroms PubMed
  2. Uebersichtsarbeiten zu Erkrankungen der Rotatorenmanschette und deren Behandlung PubMed
  3. Leitlinien und Uebersichten zur zervikalen Radikulopathie als Ursache von Armschmerzen PubMed
  4. Uebersichtsarbeiten zur Kalkschulter (Tendinosis calcarea) und ihrer Therapie PubMed
OA Dr. Georg C. Bézard
OA Dr. Georg C. Bézard
Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Facharzt für Unfallchirurgie · Wien & Tulln