Speichenbrüche
Speichenbrüche
Im Unterarm verlaufen zwei Knochen: die Elle und die Speiche. Die Speiche läuft zum Handgelenk hin, an der Seite des Daumens. Wenn man stürzt und sich mit der Hand abfängt, kann genau dort die Speiche brechen, kurz vor dem Handgelenk. Das nennt man dann Speichenbruch oder auch Handgelenksbruch.
Zum Verständnis: Die Elle liegt auf der Seite des kleinen Fingers, auch diese kann brechen, doch der Fokus liegt hier auf den Speichenbrüchen.
Ursachen:
Meist passiert ein Speichenbruch, wenn der Patient hinfällt und sich mit der Hand abstützt, besonders bei Glätte, Sport oder Fahrradunfällen. Bei älteren Menschen reicht manchmal schon ein kleiner Sturz, weil die Knochen oft brüchiger sind.
Ablauf
1
Symptome:
– starke Schmerzen, direkt am Handgelenk oder kurz davor; besonders schlimm, wenn man versucht, die Hand zu bewegen oder abzustützen.
– Schwellung, das Handgelenk wird dick, manchmal auch der ganze Unterarm.
– Blauer Fleck (Hämatom)
– Bewegung und Greifen kaum möglich
– Fehlstellung, manchmal sieht die Hand schief oder krumm aus, „steht nach oben“ oder „hängt nach unten weg.“
– Gefühlsstörungen (selten), wenn Nerven gedrückt werden, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern.
2
Diagnose:
Der Arzt tastet Handgelenk und Unterarm vorsichtig ab und prüft, ob eine Schwellung besteht, ob das Gelenk Fehlstellungen zeigt oder ob Bewegung und Druck Schmerzen auslösen. Anschließend werden Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen angefertigt. So lässt sich beurteilen, wo der Bruch liegt und ob eine Verschiebung besteht. Bei komplexen oder gelenknahen Frakturen kann zusätzlich ein CT sinnvoll sein. Der Arzt prüft zudem, ob Gefäße oder Nerven betroffen sind – etwa durch Tasten des Pulses am Handgelenk und durch Kontrolle der Sensibilität in den Fingern.
Die Diagnose ist wichtig, damit der Orthopäde entscheiden kann, ob ein Gips ausreicht oder doch eine OP notwendig ist. Vor allem bei verschobenen Brüchen oder wenn das Gelenk betroffen ist, muss oft operiert werden, damit später keine Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen bleiben.
Wichtig zu wissen!
Es gibt verschiedene Arten von Speichenbrüchen. Entscheidend ist, wie der Knochen bricht und in welche Richtung er sich verschiebt.
- Colles-Fraktur (häufigste Form)
Dieser Bruch entsteht oft durch Sturz auf die gestreckte Hand. Dadurch verschiebt sich der Knochen nach hinten (zum Handrücken). Typisch ist, dass das Handgelenk so steht, als ob man ein Bajonett in der Hand hätte, deswegen nennt man das auch „Bajonettstellung“. Diese Form des Bruches ist häufig bei älteren Menschen.
- Smith-Fraktur (Gegenteil von Colles-Fraktur)
Die Ursache ist ein Sturz auf die gebeugte Hand. Der Knochen verschiebt sich nach vorne (zur Handfläche), kommt seltener vor, eher bei jüngeren Patienten, z.B. beim Sport.
- Barton-Fraktur
Hier liegt ein Bruch mit Gelenkbeteiligung vor. Das gebrochene Stück Knochen rutscht zusammen mit dem Handgelenk weg. Diese Form ist schwieriger zu behandeln und muss oft operiert werden.
- Trümmerfraktur
Ursache: Schwerer Unfall (z.B. Verkehrsunfall). Der Knochen ist in mehrere kleine Stücke zerbrochen. Hier muss fast immer operiert werden.
- Greenstick-Fraktur (bei Kindern)
Der Knochen bricht nicht ganz durch, sondern biegt sich nur, ähnlich wie wenn man einen grünen Zweig bricht. Dieser Bruch heilt bei Kindern meist gut mit Gips oder Schwimmgips.
3
Therapie:
Konservative Therapie (ohne Operation)
- wenn der Bruch nicht verschoben ist
- wenn der Bruch stabil ist (also nicht weiter verrutschen kann)
- Gips oder Schiene für ca. 4–6 Wochen, anfangs oft ein Stützverband oder eine Schiene, danach ein fester Gips
- regelmäßige Röntgenkontrollen, um sicherzugehen, dass nichts verrutscht
- Physiotherapie, um das Handgelenk wieder beweglich zu machen
- Schonung, aber frühes Bewegen der Finger wichtig, damit nichts „einfriert.“
Operative Therapie
- wenn der Bruch verschoben ist
- wenn der Knochen in mehrere Teile gebrochen ist (Trümmerfraktur)
- wenn das Handgelenk mit betroffen ist
- wenn der Bruch instabil ist (also wieder verrutschen würde)
- wenn Nerven oder Blutgefäße in Gefahr sind
OP-Techniken
- Plattenosteosynthese (meistens)
Der Bruch wird mit einer Titanplatte und Schrauben von innen fixiert. Die Platte verbleibt meist dauerhaft, kann aber später entfernt werden, wenn nötig.
- Fixateur externe
Ein äußerer Metallrahmen wird angebracht, der mit Schrauben im Knochen befestigt ist. Diese Methode wird bei offenen Brüchen oder Trümmerbrüchen eingesetzt. Der Fixateur verbleibt meist nur ein paar Wochen.
- Draht- oder Schraubenosteosynthese
Sie wird vor allem bei jüngeren Patienten oder Kindern angewendet, ist weniger stabil als eine Platte, aber ausreichend bei kleineren Brüchen.
Nachsorge und Heilungsdauer
Oft sind nur wenige Tage im Krankenhaus notwendig. Frühe Bewegung (wenn erlaubt) ist wichtig. Physiotherapie oder Ergotherapie erfolgt dann über mehrere Wochen. Der Gips oder die Schiene wird nach 4-6 Wochen entfernt, die vollständige Heilung des Knochens dauert aber 6-12 Wochen. Nach 2-6 Monaten ist die Hand wieder voll belastbar, je nach Bruchtyp.
ZUSAMMENFASSUNG:
Ein Speichenbruch kann ernst sein, heilt aber meist gut, wenn er richtig behandelt wird. Ob ein Gips ausreicht oder eine OP notwendig ist, hängt davon ab, wie und wo der Knochen gebrochen ist. Komplikationen wie ein schief zusammengewachsener Knochen oder Wundheilungsstörungen sind selten.
Wann zum Arzt?
Wenn die Schmerzen nach ein paar Tagen nicht besser werden und Schwellung, Rötung, Überwärmung oder eine eingeschränkte Beweglichkeit vorliegen.

KONTAKT
OA Dr. Georg C. Bézard
Arztpraxis Döbling
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