Morbus de Quervain

Morbus de Quervain – Sehnenscheidenentzündung

Morbus de Quervain ist eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung an der Daumenseite des Handgelenks. Dabei entzünden sich die Sehnenscheiden der beiden Sehnen, die den Daumen nach oben und zur Seite bewegen. Der Name geht zurück auf den Schweizer Chirurgen Fritz de Quervain (1868–1940). Er war der Erste, der diese Form der Sehnenscheidenentzündung wissenschaftlich dokumentiert hat. Häufig sind Frauen zwischen 30 und 50 Jahren betroffen, oft junge Mütter. Ebenso trifft es jedoch Patienten, die viel am Computer arbeiten, handwerkliche Tätigkeiten ausführen, Gartenarbeit leisten, musizieren oder durch sportliche Aktivitäten wie Klettern, Tennis spielen, Schlägersportarten und Sportschießen die Sehne reizen. Ebenso können Radfahrer, Turner und Gewichtheber betroffen sein. Kräftige Greif- und Drehbewegungen führen bei zu starker Belastung zur Entzündung der Sehne …

Ursachen

Durch Überlastung, Reibung oder wiederholte Bewegungen kommt es zu einer Verdickung der Sehnenscheiden im ersten Strecksehnenfach. Die Sehnen gleiten nicht mehr reibungslos, was zu Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung führt.

Ablauf

1

Symptome:

  • Schmerz an der Daumenseite des Handgelenks,
    besonders beim Greifen, Heben oder Drehen (z. B. Flasche aufdrehen, Kind hochheben)
  • Druckschmerz über dem ersten Strecksehnenfach
    tastbare, druckempfindliche Stelle knapp unterhalb des Daumens
  • Schwellung oder Verdickung im Bereich des betroffenen Sehnenfachs,
    manchmal spürbares „Knirschen“ bei Bewegung
  • Schmerzausstrahlung in Daumen oder Unterarm
    ziehender oder brennender Schmerzverlauf möglich
  • Kraftverlust oder Einschränkungen im Daumengriff
    z. B. Schwierigkeiten beim Festhalten von Gegenständen

2

Diagnose:

Zunächst erfragt der Arzt, ob Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenks vorliegen, seit wann sie bestehen und bei welchen Bewegungen sie auftreten. Für die Beurteilung relevant sind auch Belastungsprofil und Beruf sowie frühere Verletzungen oder Erkrankungen. Der Orthopäde prüft, ob ein Druckschmerz über dem ersten Strecksehnenfach besteht und ob sich eine Schwellung tasten lässt. Typische Hinweise sind zudem eingeschränkte Beweglichkeit oder ein Reibegeräusch beim Bewegen des Daumens.

Der sogenannte Finkelstein-Test (auch: Eichhoff-Test) kann weitere Klarheit bringen. Hierbei bildet der Patient eine Faust mit dem Daumen innen liegend. Dann wird das Handgelenk passiv zur Kleinfingerseite abgeknickt. Bei Morbus de Quervain verursacht dies einen scharfen stechenden Schmerz.

In unklaren Fällen helfen Ultraschall und MRT die Diagnose einzugrenzen. Im Ultraschall zeigen sich bei einer Sehnenscheidenentzündung verdickte Sehnen, eine verengte Sehnenscheide oder Flüssigkeit. Das MRT ist nur selten nötig und dient hauptsächlich dazu, andere Krankheiten auszuschließen.

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Therapie:

Die Art der Therapie hängt vom Schweregrad ab. Oft wird eine Sehnenscheidenentzündung zunächst konservativ (ohne Operation), bei anhaltenden Problemen auch chirurgisch behandelt.

  1. Konservative Therapie (ohne OP):

Schonung und Entlastung

  • hilft in vielen Fällen, vor allem bei früher Diagnose
  • Vermeidung belastender Bewegungen (z. B. schweres Heben, Greifen)
  • kurzzeitige Ruhigstellung mit Daumen-Handgelenk-Schiene

Medikamentöse Behandlung

  • entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, auch als Salbe oder Gel
  • Kortison-Injektion direkt in die Sehnenscheide, Wirksamkeit oft sehr gut; viele Patienten sind danach beschwerdefrei, häufig aber nur temporär, Wiederholungen wegen möglicher Gewebeschwächung begrenzt möglich

Physiotherapie

  • Dehnungs- und Mobilisationsübungen
  • Anleitung zur gelenkschonenden Alltagsbewegung
  1. Operative Behandlung (wenn konservativ nicht hilft)

 

  • Schmerzen bestehen trotz Therapie länger als 6–12 Wochen
  • Sehnen verklemmen oder Bewegung ist deutlich eingeschränkt
  • 90 Prozent der Patienten sind nach der OP dauerhaft beschwerdefrei

Ablauf der Operation:

Die Operation erfolgt ambulant unter örtlicher Betäubung. Das erste Strecksehnenfach wird gespalten, damit die Sehnen wieder frei gleiten können. Das geht bereits mit einem sehr kleinen Hautschnitt. In der Nachbehandlung ist Schonung für wenige Tage nötig. Meist ist die Hand nach 1-2 Wochen wieder belastbar.

Tipps zur Vorsorge

  • ergonomische Arbeitsweise, bei Computer- und Smartphone-Arbeit auf eine neutrale Hand- und Daumenposition achten
  • ergonomische Tastaturen, vertikale Mäuse und gegebenenfalls eine Handballenauflage nutzen
  • dauerhaftes Scrollen oder Tippen mit dem Daumen am Handy („Smartphone-Daumen“) vermeiden
  • regelmäßige Pausen, alle 30–60 Minuten, Handwechsel bei einseitigen Tätigkeiten
  • Kräftigungs- und Dehnübungen für Handgelenk, Daumen und Unterarm, mit Therapieknetball oder Gummiband
  • Beispiel-Übung: Arm nach vorn strecken, den Daumen mit der anderen Hand sanft nach unten ziehen, 15-30 Sekunden halten
  • ruckartige, kraftvolle Bewegungen mit dem Daumen vermeiden
  • beide Hände beim Tragen schwerer Gegenstände benutzen
  • beim Babytragen: regelmäßig die Trageseite wechseln und nicht einseitig mit dem Daumen stützen
  • erste Anzeichen wie Ziehen oder Schmerzen im Daumen- oder Handgelenksbereich ernst nehmen, frühzeitig gegensteuern mit Schonung, Kühlung und ggf. ergonomischer Anpassung am Arbeitsplatz

ZUSAMMENFASSUNG:

Eine Sehnenscheidenentzündung ist in der Regel gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt und die Hand konsequent geschont wird. Die Heilung dauert oft einige Tage bis wenige Wochen, kann sich aber hinziehen, wenn der betroffene Bereich weiter belastet wird. Eine Kombination aus Schonung, einer Schiene und entzündungshemmenden Maßnahmen wirken oft schnell und die Entzündung ist nach 1-3 Wochen abgeklungen. Hierbei sollte der Patient konsequent die Belastung vermeiden, sonst kann die Sehnenscheidenentzündung chronisch und langwierig werden bzw. eine Operation notwendig sein.

Was kann ich selbst tun?

1

Der wichtigste Schritt: die betroffene Sehne entlasten.

2

repetitive Bewegungen (z. B. Tippen, Schreiben, handwerkliche Tätigkeiten) vermeiden

3

Schiene oder Bandage tragen

4

Mehrmals täglich kühlen, jeweils 10-15 min

5

Schmerzmittel (bei Bedarf), Ibuprofen oder Diclofenac (als Tablette oder Gel), nicht dauerhaft, ärztlich abklären

6

Ergonomische Haltung, regelmäßige Pausen und Dehnübungen, siehe Vorsorge

7

Quarkwickel oder Kohlwickel gelten als natürliche Entzündungshemmer

8

Warm-Kalt-Wechselbäder (nur nach der Akutphase)

Wann zum Arzt?

Wenn die Schmerzen nach ein paar Tagen nicht besser werden und Schwellung, Rötung, Überwärmung oder eine eingeschränkte Beweglichkeit vorliegen.

Dr. Bezard

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OA Dr. Georg C. Bézard
Arztpraxis Döbling
Döblinger Hauptstraße 16,
1190 Wien

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